Klagemauer

Seit einigen Wochen steht unter dem Kirschbaum im Garten des Hospizdienstes eine Mauer aus großen, braunen Sandsteinen. Kleine und größere Fugen geben den Besuchern der Mauer die Möglichkeit etwas Belastendes, etwas Beklagendes loszuwerden.
Hier an unserer Klagemauer darf geschimpft, getadelt, beschuldigt, ge- und verklagt werden. Diese Klagen finden hier in den Fugen und Ritzen eine Bleibe. Wer klagen kann, ist zornig, traurig, erschüttert, verzweifelt, aber nicht depressiv.
Wer klagen kann, jammert nicht.
Beim Jammern bleibt der Mensch bei sich selbst, dreht sich im Kreis, hat keinen Impuls in Richtung Veränderung, ist fixiert auf das Schmerzliche. Wer so jammert, wirkt jämmerlich. Ins Jammern verfällt jemand, der keine Kraft mehr zum Klagen hat.
Ein herzlicher Dank geht an Andrea Hohmann, die uns die Steine aus ihrem Garten spendete.